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Ständig müde? Tipps gegen die Frühjahrsmüdigkeit

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Das alljährliche Erwachen der Natur aus ihrem Winterschlaf könnte so schön sein, wäre da nicht diese ständige Müdigkeit. Wir geben Ihnen einen Überblick über das Phänomen Frühjahrsmüdigkeit, das viele Menschen zum Frühlingsbeginn ereilt, und zeigen Möglichkeiten auf, den Energiereserven auf die Sprünge zu helfen.

Frühjahrsmüdigkeit: Hormonumstellung und Blutdruckschwankungen

Der Winter neigt sich langsam dem Ende zu und die ersten, zarten Knospen hüllen die Bäume in einen hellgrünen Schimmer. Krokusse und Buschwindröschen erblühen und verleihen den Wäldern und Parks wieder Farbe, Vögel zwitschern, sanfte Sonnenstrahlen hüllen die Landschaft in ein warmes Licht. Der Frühling kommt, die Natur blüht auf; doch während bei vielen Menschen jetzt ebenfalls die Lebensgeister erwachen, erleben andere das genaue Gegenteil.

Trägheit, Müdigkeit, Mattigkeit zu Beginn des Frühlings, teils auch in Kombination mit Kopfschmerzen oder Schwindel, dieses Phänomen kennen Millionen Deutsche. Doch obwohl die Frühjahrsmüdigkeit so verbreitet ist, handelt es sich nicht um eine anerkannte Krankheit oder Diagnose. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema sind bislang kaum vorhanden, daher konnten auch die Ursachen der Frühjahrsmüdigkeit bislang nicht zweifelsfrei identifiziert werden.

Trotzdem ist Frühjahrsmüdigkeit für viele Menschen hierzulande Realität. Wie sie hervorgerufen wird, darüber gibt es mehrere Hypothesen. Es wird angenommen, dass vor allem zwei Ursachen eine tragende Rolle bei der Entstehung der Frühjahrsmüdigkeit spielen:

Ständig müde durch Anpassungen im Hormonhaushalt

Im Frühjahr werden die Tage spürbar länger. Und das hat auch Einfluss auf unseren Hormonhaushalt: Zum Beispiel auf Melatonin, das „Schlafhormon“, das in der Zirbeldrüse des Gehirns produziert wird. Melatonin macht müde und schläfrig und spielt daher eine wichtige Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus. Seine Ausschüttung wird gehemmt, wenn Licht auf die Netzhaut des Auges fällt; deshalb entfaltet es seine Wirkung normalerweise nachts.

Doch auch ein weiterer Botenstoff ist von Licht abhängig: Der Neurotransmitter Serotonin, auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Dessen Produktion steigt unter Lichteinfluss. Serotonin ist eine notwendige Vorstufe für die Melatonin-Produktion und beeinflusst darüber hinaus ebenfalls den Schlaf-Wach-Rhythmus, wobei es jedoch, anders als Melatonin, aktivierend wirkt. 

Möglicherweise dauert es beim Übergang in die warme Jahreszeit bei einigen Menschen etwas länger, bis sich die Melatonin- und Serotonin-Spiegel an die veränderten Tageslichtverhältnisse angepasst haben. In der Zeit der Umstellung kommt es zu typischen Beschwerden der Frühjahrsmüdigkeit, vor allem zu vermehrter Tagesmüdigkeit. Diese wird einem besonders dann bewusst, wenn im Frühjahr immer häufiger die Sonne durch die Wolken bricht und das schöne Wetter den Wunsch weckt, wieder aktiver zu werden. 

Übrigens: Beide Botenstoffe lassen sich laborchemisch erfassen. Möchten Sie sich also Klarheit über Ihren Melatoninstoffwechsel verschaffen, ist dies anhand von Speichelproben mit dem medivere Melatonin Test Plus bequem möglich. Für den medivere Serotonin Test genügt eine Urinprobe.

Wetterumschwünge & Blutdruckschwankungen 

Häufige Wetterumschwünge und Temperaturwechsel, typisch für das launische Frühjahr, können sich auch auf den Blutdruck auswirken. Gerade Menschen, die ohnehin mit niedrigem Blutdruck zu kämpfen haben, sind hiervon häufig besonders betroffen. Das vegetative Nervensystem sorgt dafür, dass sich unser Körper veränderten Wetterbedingungen anpasst: So veranlasst es etwa bei Kälte eine Verengung der Blutgefäße, damit der Körper weniger Wärme verliert. Bei warmen Temperaturen dagegen werden die Blutgefäße geweitet. Das kann zu einem spürbaren Absinken des Blutdrucks führen, der sich unter anderem durch Schlappheit und Schwäche bemerkbar machen kann, teils sogar durch Kopfschmerzen und Schwindel. 

Wie lange der Körper benötigt, um sich auf die veränderten Bedingungen umzustellen, ist individuell sehr verschieden. Eine Frühjahrsmüdigkeit kann von wenigen Tagen bis zu vier Wochen andauern.

Frühjahrsmüdigkeit oder steckt mehr dahinter?

Nur Frühjahrsmüdigkeit oder steckt mehr dahinter? 

Frühjahrsmüdigkeit ist ein weit verbreitetes, temporäres und im Grunde harmloses Problem. Doch hinter ständiger Müdigkeit und Schlappheit können in manchen Fällen auch andere Ursachen oder sogar Gesundheitsprobleme stecken. Vergehen die Beschwerden einfach nicht oder kommen noch weitere Symptome hinzu, kann daher eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. So gehen etwa folgende Erkrankungen häufig mit Müdigkeit oder Schlappheit einher:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenige Schilddrüsenhormone. Die möglichen Folgen: Man ist ständig müde, fühlt sich schwach und antriebslos, friert leicht, neigt zu depressiven Verstimmungen, ist kurzatmig, der Puls ist niedrig. Auch trockene Haut, heisere Stimme, Verstopfung oder Gewichtszunahme können zu den Symptomen gehören. Eine Hypothyreose lässt sich in der Regel gut behandeln, indem die fehlenden Schilddrüsenhormone medikamentös ersetzt werden.

  • Blutarmut (Anämie). Unter einer Blutarmut versteht man eine zu geringe Menge an roten Blutzellen, jener Zellen, die im Blut den Sauerstoff zu den Organen transportieren. Der Sauerstoff wird zur Energieproduktion in den Körperzellen benötigt. Gibt es zu wenig Rote Blutzellen, wird dieser Energiemangel in Form von ungewohnter Erschöpfung und Müdigkeit spürbar. Weitere mögliche Symptome sind Blässe, beschleunigter Puls oder schnellere Atmung. Häufige Ursache für eine Blutarmut ist ein Eisenmangel, man spricht dann von einer Eisenmangelanämie. Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, Schwangere und Stillende sowie Heranwachsende sind besonders gefährdet, einen Eisenmangel zu erleiden. Ein starker Eisenmangel kann unter anderem auch mit Kopfschmerzen, eingerissenen Mundwinkeln, Kurzatmigkeit oder Haarausfall einhergehen.

  • Depression. Diese Erkrankung hat viele Gesichter; eines davon kann ständige Müdigkeit sein. Von Depressionen Betroffene fühlen sich oft leer, niedergeschlagen, erschöpft und antriebslos, verlieren das Interesse und die Freude an Hobbys und sozialen Kontakten, haben oft Schlafprobleme. Sie können sich aus ihren negativen Gefühlen und Gedanken kaum noch aus eigener Kraft befreien. Eine Depression ist eine ernste Erkrankung, die der Behandlung bedarf. Bei Verdacht auf eine Depression sollte daher nicht gezögert werden, professionelle Hilfe zu beanspruchen. 

  • Chronisches Fatigue-Syndrom. Seit der Coronavirus-Pandemie hat dieses Krankheitsbild an Bekanntheit gewonnen, denn es ist eine der möglichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Fatigue selbst ist ein Zustand krankhafter körperlicher, geistiger oder seelischer Erschöpfung, der sich durch Ruhe- und Schlafphasen kaum bessert. Sie kann als Begleitsymptom vieler Krankheiten auftreten, etwa Krebs oder Rheuma. Im Rahmen der Myalgischen Enzephalitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) verstärkt sich die schwere Fatigue schon nach kleinen körperlichen und geistigen Anstrengungen erheblich und teils anhaltend. Hinzu kommen bei Myalgischer Enzephalomyeltis/Chronischem Fatigue-Syndrom Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Grippe-ähnliche Symptome und oft auch Schmerzen

  • Pollenallergie. Das Frühjahr ist der Höhepunkt des Pollenflugs. Wer an einer Allergie gegen Pflanzenpollen leidet, hat jetzt oft mit besonders starken Symptomen zu kämpfen. Die ständig laufende Nase, juckende und tränende Augen entstehen, weil die mikroskopisch kleinen Pollenkörner in den Schleimhäuten, mit denen sie in Berührung kommen, eine allergische Entzündungsreaktion hervorrufen. Das belastet den Körper und kann auch dazu führen, dass man sich schneller abgeschlagen fühlt.

Was tun gegen die Frühjahrsmüdigkeit?

Lässt sich die Abgeschlagenheit zu Beginn der warmen Jahreszeit nicht auf andere Ursachen zurückführen, heißt das noch lange nicht, dass Sie die Frühjahrsmüdigkeit einfach hinnehmen müssen. Es gibt durchaus hilfreiche Maßnahmen für mehr Frische im Frühjahr. Probieren Sie aus, was Ihnen am besten hilft, die Frühjahrsmüdigkeit zu mindern:

  1. Sport bzw. Bewegung an der frischen Luft. Lassen Sie sich vom Frühling zu mehr Bewegung motivieren: Sport bringt den Kreislauf in die Gänge, setzt Glückshormone frei und trägt langfristig zu einem stabilen Blutdruck bei. Doch bereits ein Spaziergang an der frischen Luft kann spürbar munterer machen. Und nicht zu vergessen: Regelmäßiger, moderater Sport eignet sich auch sehr gut zum Stressabbau, denn er hilft, das Stresshormon Cortisol zu regulieren. Das trägt zu mehr Entspannung am Tage und gutem Schlaf in der Nacht bei.
  2. Licht tanken. Nutzen Sie die neu erstarkenden Sonnenstrahlen regelmäßig. Das auf die Netzhaut treffende Tageslicht ist wichtig, um der Produktion des Schlafhormons Melatonin Einhalt zu gebieten und die Ausschüttung von Serotonin zu verstärken. Besonders vormittags ist es wichtig, genügend Tageslicht mitzunehmen. Dieses wird überdies auch für die körpereigene Produktion von Vitamin D benötigt. Lassen Sie sich auch von einem bedeckten Himmel nicht abschrecken. Wichtig: Bei heller Haut bereits im Frühjahr auf adäquaten Schutz vor UV-Strahlung achten.
  3. Ausreichend trinken. Auch Flüssigkeitsmangel kann müde machen und Konzentrationsprobleme verursachen. Achten Sie daher darauf, täglich genug zu trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme führt zu einem höheren Blutvolumen und trägt dadurch dazu bei, einen zu niedrigen Blutdruck mit seinen unangenehmen Begleiterscheinungen zu verhindern.
  4. Power-Ernährung. Praktizieren Sie auch eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung. Frisches Obst und Gemüse enthält wichtige Vitamine und Mineralstoffe und kurbeln den Stoffwechsel an. Leichte, gemüsebetonte Mahlzeiten helfen außerdem, bleierne Müdigkeit nach der Nahrungsaufnahme (postprandiale Somnolenz /„Mittagstief“) zu verhindern.

    Zur Synthese des Glückshormons Serotonin benötigt der Körper die Aminosäure Tryptophan. Diese ist zum Beispiel in Emmentaler, Cashewkernen oder Haferflocken enthalten.
  5. Entspannung & Schlaf. Auch gesunder, ausreichend langer Schlaf ist essenziell, um Frühjahrsmüdigkeit nicht noch zusätzlich zu verstärken. Für guten Schlaf ist neben einer ruhigen, dunklen und eher kühlen Schlafumgebung auch Entspannung tagsüber und am Abend wichtig. Entspannungsrituale im Alltag und eine bewusste, ruhige Gestaltung des Abends können bei Schlafproblemen hilfreich sein. Abends sollte helles Bildschirmlicht vermieden werden, da es die Bildung des Schlafhormons Melatonin hemmen kann.
  6. Wechselduschen. Diese sind zwar anfangs gewöhnungsbedürftig, doch den Wechsel zwischen heiß und kalt empfinden viele als belebend und sogar als stimmungsaufhellend. Er trainiert die Gefäße, erhöht kurzfristig den Blutdruck und bringt den Kreislauf in Schwung. Besonders Menschen mit niedrigem Blutdruck können davon profitieren. 

So funktioniert Wechselduschen nach Kneipp:

  • Zuerst warm duschen.
  • Dann die Dusche auf einen gebündelten Strahl und kühle (für Anfänger: lauwarme) Temperatur einstellen. Nun duschen Sie zunächst die Außenseite des rechten Beins beginnend bei der Außenseite des Fußes bis hinauf zur Hüfte ab, dann die Innenseite vom Oberschenkel bis hinab zum Fuß. Dann das linke Bein analog.
  • Nun verfahren Sie ebenso mit den Armen: Zunächst die Außenseite des rechten Arms von der Hand bis zur Schulter, dann die Innenseite von der Schulter bis zur Hand; den linken Arm analog.
  • Zuletzt duschen Sie den Rumpf, den Nacken und das Gesicht kalt ab.
  • Wiederholen Sie die Prozedur (inklusive des Warmduschens) zweimal und enden Sie somit mit der kalten Dusche.
  • Sorgen Sie nach dem Duschen für eine rasche Wiedererwärmung des Körpers.

Kneipp Wechseldusche
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